1. Warum die Triage entscheidend ist
GESICHERTER KLINISCHER RAHMEN SBNFA™-RASTER
Die Diagnose einer PudendusneuralgiePudendusneuralgieNeuropathischer Schmerz im Versorgungsgebiet des Nervus pudendus (Damm, äußere Genitalien, Analregion), der sich in Sitzposition häufig verstärkt.Vollständigen Eintrag lesen : Pudendusneuralgie ist in erster Linie klinisch. Die Nantes-Kriterien bilden einen Referenzrahmen, doch auch Bildgebung, neurophysiologische Untersuchungen und diagnostische Blockaden können in die Gesamtbeurteilung des Patienten einfließen.
Eine unauffällige Bildgebung bedeutet daher nicht, dass der Schmerz eingebildet oder ohne Mechanismus ist. Sie bedeutet lediglich, dass mit der durchgeführten Untersuchung keine strukturelle Anomalie festgestellt wurde, die die Symptome erklären könnte.
Zu den wesentlichen Nantes-Kriterien gehören: ein Schmerz im Versorgungsgebiet des Nervus pudendusNervus pudendusDer Nervus pudendus ist ein Nerv, der hauptsächlich aus den Sakralwurzeln S2 bis S4 hervorgeht. Er übernimmt einen wesentlichen Teil der sensiblen und motorischen Innervation des Damms und der äußeren Geschlechtsorgane.Vollständigen Eintrag lesen : Nervus pudendus, der sich in Sitzposition verstärkt, den Patienten in der Regel nachts nicht weckt, ohne objektives sensibles Defizit einhergeht und durch eine diagnostische anästhetische Pudendusblockade gebessert wird (Labat et al., 2008).
Die SBNFA™-Triage will damit zwei entgegengesetzte Fehler vermeiden: jeden pudendalen Schmerz als Folge einer nachgewiesenen anatomischen Kompression zu betrachten, oder anzunehmen, dass eine unauffällige Bildgebung jede funktionelle Störung und jede klinische Realität des Symptoms ausschließt.
Sie fügt eine dritte Vorsichtsregel hinzu: eine sichtbare Anomalie nicht mit einer ausreichenden Erklärung zu verwechseln. Eine Person kann gleichzeitig einen strukturellen Faktor, eine nervale Überempfindlichkeit, eine muskuläre Schutzreaktion und eine verminderte Toleranz gegenüber dem Sitzen aufweisen. Die Triage soll den wahrscheinlichen Beitrag jeder dieser Ebenen und ihr Zusammenwirken präzisieren.
2. Strukturelle Schädigung: wenn eine Anomalie objektivierbar ist
OBJEKTIVIERBARE DATEN
Eine strukturelle Schädigung entspricht einer festgestellten anatomischen Anomalie, die im Hinblick auf das klinische Bild als potenziell relevant eingeschätzt wird. Je nach Kontext kann es sich um eine posttraumatische Läsion, eine Operationsfolge, eine Raumforderung, eine knöcherne Anomalie, eine pathologische Narbe oder eine anatomische Konfliktzone handeln.
Die anatomischen Arbeiten von Robert et al. haben mehrere potenziell konfliktträchtige Beziehungen entlang des Verlaufs des Nervus pudendus beschrieben, insbesondere zwischen dem Ligamentum sacrotuberaleLigamentum sacrotuberaleDas Ligamentum sacrotuberale ist ein breites Band, das das Kreuzbein mit dem Sitzbeinhöcker verbindet und an der mechanischen Organisation der Beckenrückseite beteiligt ist.Vollständigen Eintrag lesen : Ligamentum sacrotuberale und dem Ligamentum sacrospinaleLigamentum sacrospinaleDas Ligamentum sacrospinale verbindet Kreuzbein und Steißbein mit dem Sitzbeinstachel (Spina ischiadica) und wirkt an der mechanischen Organisation der hinteren Beckenregion mit.Vollständigen Eintrag lesen : Ligamentum sacrospinale, im PudenduskanalAlcock-KanalDer Alcock-Kanal, auch Pudenduskanal (Canalis pudendalis) genannt, ist ein faszialer Kanal an der Seitenwand des Beckens, in dem ein Teil des Nervus pudendus zusammen mit den Vasa pudenda interna verläuft.Vollständigen Eintrag lesen : Alcock-Kanal (Alcock-Kanal) und im Bereich des Processus falciformis (Robert et al., 1998).
Diese potenziellen Konfliktzonen werden analysiert in Mechanische Engstellen und Kompressionen des Nervus pudendus .
Diese Beobachtungen belegen anatomische Zonen, die an bestimmten Formen eines Nervenentrapments beteiligt sein können. Sie belegen nicht, dass bei allen Patienten mit pudendalem Schmerz eine pathologische Kompression vorliegt.
Die klinische Relevanz einer Anomalie ist daher anhand ihrer Übereinstimmung mit dem Schmerzareal, der Vorgeschichte der Symptome, der klinischen Untersuchung und den übrigen verfügbaren Daten zu beurteilen. Ein auffälliger Bildbefund ist nicht automatisch die Ursache des Schmerzes.
Eine strukturelle Anomalie kann zum Schmerz beitragen, ihr Nachweis muss jedoch in seinem klinischen Kontext interpretiert werden. Umgekehrt stellt das Fehlen einer sichtbaren strukturellen Anomalie die Realität des Symptoms nicht infrage.
3. Funktionelle Mechanismen: wenn die sichtbare Anatomie nicht alles erklärt
MECHANISCHE BETRACHTUNG NEUROMUSKULÄRE REGULATION
Ein Schmerz kann stark und anhaltend sein, ohne dass eine ausreichend erklärende strukturelle Läsion festgestellt wird. Diese Situation kann mehrere Faktoren einschließen: nervale Empfindlichkeit, nozizeptiveNozizeptionDie Nozizeption ist der Prozess, durch den das Nervensystem potenziell gewebeschädigende Reize erkennt und kodiert. Sie ist nicht mit dem Schmerz gleichzusetzen, der ein Erleben ist.Vollständigen Eintrag lesen : Nozizeption Modulation, mechanische BelastungenMechanische BelastungDie mechanische Belastung bezeichnet die Gesamtheit der auf den Körper oder ein Gewebe einwirkenden Kräfte. Sie wird durch mehrere Variablen beschrieben: Intensität, Richtung, Einwirkungsbereich, Dauer, Häufigkeit, Belastungsgeschwindigkeit und Erholung zwischen den Expositionen.Vollständigen Eintrag lesen : Mechanische Belastung, Muskelspannung, Schutzverhalten, Schlafstörungen und psychosozialen Kontext.
Aus biomechanischer Sicht können Körperhaltung, Expositionsdauer und wiederholte Belastungen die Toleranz der Gewebe verändern. Insbesondere die Sitzposition kann bei manchen Patienten die Symptome verstärken, was zugleich eines der wesentlichen Nantes-Kriterien ist (Labat et al., 2008).
„Funktionell“ beschreibt hier eine Veränderung der Funktionsweise oder der Toleranz des Systems: relative Beweglichkeit zwischen dem Nerv und seinen Grenzflächen, Verteilung der Belastungen, Fähigkeit, die Auflagepunkte zu variieren, muskuläre Schutzaktivität und Modulation des Schmerzsignals. Diese Mechanismen können real und behindernd sein, ohne einer Ruptur oder einer Raumforderung zu entsprechen, die in der Standardbildgebung sichtbar wäre.
Diese Haltungsabhängigkeit erlaubt jedoch für sich allein nicht den Schluss auf eine fasziale VerdichtungFasziale VerdichtungDie fasziale Verdichtung ist eine Forschungshypothese: Das lockere Bindegewebe zwischen den Faszienschichten werde demnach viskoser und behindere deren Gleiten, ohne dass sich Kollagen anhäuft.Vollständigen Eintrag lesen : Fasziale Verdichtung, einen Verlust des neuralen Gleitens oder eine Kompression des NervsNervenkompressionDie Nervenkompression ist die Einwirkung einer mechanischen Belastung auf einen Nerv durch die ihn umgebenden Gewebe oder Strukturen. Je nach Intensität und Dauer kann sie die Durchblutung und die Reizleitung des Nervs stören.Vollständigen Eintrag lesen : Nervenkompression. Sie zeigt lediglich, dass haltungsbedingte Belastungen an der Modulation der Symptome beteiligt sein können.
Das Konzept der faszialen Entrapment-Neuropathie geht davon aus, dass eine Veränderung des Bindegewebes, das einen Nerv umgibt, dessen relative Beweglichkeit und mechanisches Umfeld beeinflussen kann. Dieses Modell ist allgemeiner Natur und muss von einem spezifischen Nachweis für den Nervus pudendus unterschieden werden (Stecco, Pirri & Stecco, 2019).
Vertiefende Informationen zu den Gewebegrenzflächen und zum neuralen Gleiten finden Sie unter Faszien, neurales Gleiten und Gewebeverdichtung .
Im SBNFA™-Modell geht es also nicht darum, zwischen „mechanisch“ und „nerval“ zu wählen. Eine wiederholte mechanische Belastung kann die neuromuskuläre Antwort verändern; ein schützender HypertonusHypertonieHypertonie bezeichnet eine Erhöhung des Muskeltonus oder des Widerstands gegen passive Bewegung. Der Begriff beschreibt keine einheitliche Ursache: Je nach Kontext kann sie auf eine neurologische Störung, eine erhöhte Muskelaktivität, eine Schwierigkeit beim Entspannen, eine Gewebesteifigkeit oder eine schmerzbedingte Schutzstrategie zurückgehen.Vollständigen Eintrag lesen : Hypertonie kann seinerseits die Bewegungs- und Umverteilungsmöglichkeiten verringern; eine erhöhte Empfindlichkeit kann schließlich das tolerierte Belastungsniveau absenken. Dieser Kreislauf ist eine schlüssige funktionelle Hypothese, doch sein Vorliegen und sein Gewicht müssen individuell beurteilt werden.
Ebenso kann die Unterscheidung zwischen Verdichtung und Fibrose der FaszieFaszienFaszien sind Bindegewebsstrukturen, die bestimmte Körperteile umhüllen, verbinden oder voneinander trennen. Das „fasziale System“ bezeichnet eine umfassendere Gesamtheit von Bindegeweben, die in ihrer funktionellen Kontinuität betrachtet werden.Vollständigen Eintrag lesen : Faszien helfen, die Überlegungen zu Veränderungen der Gewebegrenzflächen zu ordnen. Sie erlaubt nicht den Schluss, dass bei einem bestimmten Patienten ohne geeignete Untersuchungsmethode eine Verdichtung vorliegt (Pavan et al., 2014).
„Funktionell“ bedeutet weder eingebildet noch harmlos noch zwangsläufig reversibel. Der Begriff bedeutet hier, dass der angenommene Mechanismus nicht auf einer anatomischen Anomalie beruht, die objektivierbar ist oder ausreicht, um die Symptome zu erklären.
4. Anpassungsreserve und Toleranzschwelle
SBNFA™-HYPOTHESE
Das SBNFA™-Modell verwendet den Begriff der AnpassungsreserveAnpassungsreserveDie Anpassungsreserve bezeichnet im SBNFA™ den noch verfügbaren funktionellen Spielraum, der es einem biologischen System ermöglicht, seine Organisation zu verändern, wenn sich eine Belastung oder eine Situation ändert.Vollständigen Eintrag lesen : Anpassungsreserve, um den funktionellen Spielraum zu beschreiben, über den ein System verfügt, um Belastungen aufzunehmen, umzuverteilen und sich davon zu erholen, bevor sie symptomatisch werden oder die Symptome bestehen bleiben.
Sie liegt weder im Nerv allein noch in einem isolierten Gewebe. Sie hängt ab von der relativen Beweglichkeit der Grenzflächen, der Möglichkeit, Haltungen und Auflagepunkte zu variieren, der Umverteilung der Belastungen, der neuromuskulären Antwort, der nervalen Empfindlichkeit und der Erholung. Auch Schlaf, Allgemeinzustand und emotionaler Kontext können sie modulieren. Es handelt sich um einen funktionellen Begriff, der die Analyse ordnen soll, und nicht um eine Größe, die mit einem einzelnen klinischen Test messbar wäre.
Diese Reserve lässt sich anhand von vier Fähigkeiten beschreiben: eine Lastveränderung annehmen, die Konfiguration wechseln, Belastungen umverteilen und sich vor der nächsten Exposition erholen. Ihre Verringerung bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass ein Gewebe „erschöpft“ ist: Sie zeigt an, dass die verfügbaren Möglichkeiten gegenüber der aktuellen Belastung unzureichend werden.
Solange die AnpassungsfähigkeitAnpassungsfähigkeitIntegrierendes Konzept von Blue Portance, das die Fähigkeit des Körpers bezeichnet, seine posturale Organisation und seine Gewebeantworten an Belastungen anzupassen und dabei Gleichgewicht, Beweglichkeit und Lastverteilung zu bewahren.Vollständigen Eintrag lesen : Anpassungsfähigkeit ausreichend bleibt, kann eine Belastung toleriert werden, ohne anhaltende Symptome hervorzurufen. Wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, kann dieselbe Belastung schmerzhaft werden oder zu einer langsameren Erholung führen.
Die Symptome können dann je nach Sitzdauer, Aktivität, Müdigkeit, Stress, Schlaf oder der Möglichkeit, die Position zu wechseln, schwanken. Diese Variabilität ist mit einem funktionellen Mechanismus vereinbar, stellt jedoch keinen spezifischen Nachweis einer faszialen Störung dar.
Der funktionelle Charakter eines Krankheitsbildes bedeutet nicht, dass die Symptome zwangsläufig vorübergehend sind. Ein funktioneller Schmerz kann fortbestehen, wenn die aufrechterhaltenden Faktoren bestehen bleiben oder wenn das Nervensystem empfindlicher wird.
Die wiederholte Exposition gegenüber einer verschlimmernden Haltung kann bei manchen Menschen zur Aufrechterhaltung der Symptome beitragen. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass langes Sitzen systematisch zu einer Verdichtung, einer Fibrose oder einer messbaren biologischen Erschöpfung der Anpassungsreserve führt.
Im SBNFA™-Modell bezeichnet die Überschreitung der Anpassungsreserve daher eine funktionelle Toleranzschwelle. Sie entspricht dem Zeitpunkt, an dem mechanische Belastung, nervale Empfindlichkeit und Schutzreaktionen so ausgeprägt werden, dass sie die Symptome aufrechterhalten. Dieser Begriff bleibt ein dem SBNFA™-Modell eigener Interpretationsrahmen.
Die Schwelle ist weder fest noch ausschließlich quantitativ. Eine mäßige, aber anhaltende und wenig variable Beanspruchung kann schlechter tolerierbar werden als eine stärkere, aber kurze, abwechselnde und von Erholung gefolgte Beanspruchung. Diese Unterscheidung verknüpft die Symptomatik nicht nur mit der Intensität eines Drucks, sondern auch mit seiner Dauer, seiner Wiederholung und den Anpassungsmöglichkeiten, die dem Körper bleiben.
5. Indikatoren der SBNFA™-Triage
Die SBNFA™-Triage stützt sich auf ein Bündel von Hinweisen. Kein einzelnes Element erlaubt es, eine strukturelle Schädigung mit Sicherheit von einer funktionellen Dysregulation zu unterscheiden.
Diese Hinweise liefern kein binäres Urteil. Sie dienen dazu, nacheinander drei Fragen zu beantworten: Gibt es ein strukturelles Element, das gesucht oder überwacht werden sollte? Lässt die Variabilität der Symptome eine modulierbare funktionelle Komponente erkennen? Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass sich der Anpassungsspielraum verringert oder wiederherstellt?
5.1 Elemente, die mit einer strukturellen Abklärung vereinbar sind
- Eindeutig identifiziertes Trauma, eindeutig identifizierte Operation oder eindeutig identifiziertes lokales Ereignis.
- Plötzlich nach diesem Ereignis aufgetretener Schmerz.
- Anatomische Anomalie, die mit dem Areal und dem Profil des Schmerzes übereinstimmt.
- Objektives neurologisches Defizit oder fokales klinisches Zeichen, das eine fachärztliche Abklärung erfordert.
- Stabiler Verlauf, der von Haltungs- oder Lastveränderungen wenig beeinflusst wird.
Diese Elemente beweisen nicht, dass eine Anomalie für die Symptome verantwortlich ist. Sie zeigen an, dass eine gezielte strukturelle oder neurologische Abklärung sinnvoll sein kann.
5.2 Elemente, die mit einem funktionellen oder gemischten Mechanismus vereinbar sind
- Symptome, die je nach Haltung, Sitzdauer oder Belastung schwanken.
- Teilweise Besserung bei Positionswechseln oder in Entlastungsphasen.
- Fehlen einer ausreichend erklärenden strukturellen Anomalie in der verfügbaren Bildgebung.
- Verbindung von Dammschmerzen mit urinären, sexuellen oder rektalen Beschwerden, ohne dass eine einzelne lokale Läsion festgestellt wurde.
- Veränderung der Symptome mit Müdigkeit, Stress, Schlaf oder Erholung.
Diese Elemente lenken die Betrachtung auf eine funktionelle oder gemischte Analyse, erlauben aber nicht den Schluss auf einen ausschließlich mechanischen, faszialen oder muskulären Ursprung.
5.3 Hinweise auf die Anpassungsreserve
- Die Zeit bis zum Auftreten der Symptome verkürzt sich von Exposition zu Exposition.
- Langsamere Erholung nach vergleichbarer Sitzdauer.
- Verringerung der Zahl noch tolerierter Positionen oder Auflagepunkte.
- Umgekehrt: Verbesserung der Toleranzdauer oder der Erholung, wenn Auflagepunkte und Positionen variieren können.
Diese Entwicklungen beschreiben eine funktionelle Veränderung der Toleranz. Sie messen nicht direkt eine biologische Reserve und beweisen keine strukturelle Wiederherstellung oder Verschlechterung.
5.4 Situationen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern
Bestimmte Symptome dürfen nicht vorschnell einer bloßen funktionellen Dysregulation zugeschrieben werden. Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere dann einzuholen, wenn eine fortschreitende neurologische Schwäche, eine Reithosenanästhesie, neu auftretende Störungen der Schließmuskelfunktion, Fieber, ein unerklärter Gewichtsverlust, ungewöhnliche nächtliche Schmerzen oder eine rasche Verschlechterung auftreten.
6. Strukturell, funktionell und Anpassungsreserve
Die folgende Tabelle zeigt vorherrschende Interpretationsschwerpunkte. In der Praxis können sich die strukturelle, die funktionelle und die adaptive Dimension überlagern. Dieses Raster ist kein validiertes diagnostisches Instrument und ersetzt weder die klinische Untersuchung noch die ärztliche Interpretation der Zusatzuntersuchungen.
Auf Mobilgeräten scrollen Sie die Tabelle bitte horizontal.
| Kriterium | 🏗️ Mögliche strukturelle Schädigung | 🌊 Möglicher funktioneller Mechanismus |
|---|---|---|
| Definition | Festgestellte anatomische Anomalie, die potenziell mit den Symptomen übereinstimmt. | Symptome ohne ausreichend erklärende strukturelle Anomalie, an denen mehrere mechanische, neuromuskuläre oder neurophysiologische Mechanismen beteiligt sein können. |
| Mögliche Auslöser | Trauma, Operation, Narbe, Raumforderung, knöcherne Anomalie oder lokaler anatomischer Konflikt. | Langes Sitzen, wiederholte Belastungen, Lastschwankungen, Muskelspannung und Faktoren der nervalen Empfindlichkeit. |
| Verhältnis zur Bildgebung | Eine Anomalie kann sichtbar sein, ihre Relevanz muss jedoch durch ihre klinische Übereinstimmung bestätigt werden. | Eine unauffällige Bildgebung ist möglich. Sie erfasst funktionelle Mechanismen oder Veränderungen der Empfindlichkeit nicht immer. |
| Symptomprofil | Symptome mitunter stabiler und mit einem Ereignis oder einer bestimmten anatomischen Region verbunden. | Symptome häufig variabel je nach Haltung, Expositionsdauer, Müdigkeit, Stress oder Erholung. |
| Möglicher vorherrschender Mechanismus | Anatomischer Konflikt, lokale Reizung oder Kompression in Verbindung mit einer identifizierbaren Struktur. | Zusammenspiel von mechanischer Belastung, nervaler Empfindlichkeit, muskulärem Schutz und funktioneller Anpassung. |
| Interpretation des Fehlens einer Läsion | Eine Anomalie ist mit der verwendeten Untersuchung möglicherweise nicht sichtbar oder nur unzureichend charakterisiert. | Das Fehlen einer sichtbaren Läsion kann mit einem funktionellen Mechanismus vereinbar sein, beweist aber keinen faszialen Ursprung. |
| Anpassungsreserve | Sie kann durch eine anatomische Einschränkung verringert sein, ihr Niveau lässt sich jedoch nicht allein aus der Bildgebung ableiten. | Sie bezeichnet im SBNFA™-Modell den Toleranzspielraum gegenüber Belastungen, bevor Symptome auftreten oder sich verstärken. |
| Klinisches Beispiel | Nach einer Operation aufgetretener Schmerz mit übereinstimmender Narbenanomalie, durch eine fachärztliche Abklärung zu bestätigen. | Beim Sitzen verstärkter und schwankender Schmerz ohne ausreichend erklärende strukturelle Anomalie. |
| Möglichkeit eines gemischten Profils | Eine reale Anomalie kann durch funktionelle Mechanismen und eine verminderte Toleranz verstärkt oder aufrechterhalten werden. | Eine gestörte Funktionsweise schließt eine anatomische Vulnerabilität oder eine begleitende strukturelle Folgeschädigung nicht aus. |
| Hauptquellen | Robert et al. (1998); Labat et al. (2008). | Labat et al. (2008); Pavan et al. (2014); Stecco et al. (2019). |
7. Klinische Bedeutung und Verständnis der Chronifizierung
Das Fehlen einer expliziten Triage kann eine Abfolge von Untersuchungen und Eingriffen ohne gemeinsame Hypothese begünstigen. Umgekehrt kann eine zu schnell funktionelle Deutung dazu führen, dass eine Läsion, ein neurologisches Defizit oder eine andere medizinische Ursache übersehen wird.
Ziel der SBNFA™-Triage ist es daher, zwei Anforderungen gleichzeitig gerecht zu werden: nach den Elementen zu suchen, die eine strukturelle Abklärung rechtfertigen, und anzuerkennen, dass ein Schmerz auch ohne sichtbare Anomalie real und behindernd sein kann.
Eine Chronifizierung kann aus dem Zusammenwirken von wiederholter Belastungsexposition, Sensibilisierung, Schutzstrategien, Aktivitätseinschränkung, Schlafstörungen sowie psychologischen oder sozialen Faktoren resultieren. Das Fortbestehen der Symptome beweist keine fortschreitende anatomische Verschlechterung.
In diesem Rahmen erlaubt der Begriff der Anpassungsreserve, eine mögliche funktionelle Entwicklung zu beschreiben: Eine zuvor tolerierte Belastung wird allmählich schlechter vertragen, wenn mehrere Vulnerabilitätsfaktoren zusammenkommen. Dieser Begriff gehört zum SBNFA™-Modell und ist als ordnende Hypothese darzustellen, nicht als validierte klinische Variable.
Bei der Triage geht es also nicht darum, „strukturell“ und „funktionell“ künstlich gegeneinander auszuspielen. Es geht darum zu prüfen, ob eine strukturelle Anomalie objektivierbar und klinisch stimmig ist, und zugleich die funktionellen Mechanismen zu beurteilen, die zu den Symptomen beitragen können.
Es nimmt die Form einer Hierarchie von Hypothesen an: auszuschließende oder zu dokumentierende strukturelle Elemente, plausible funktionelle Mechanismen, Faktoren, die die Anpassungsreserve verringern, und Anzeichen, die eine ärztliche Abklärung erfordern. Diese Hierarchie kann sich mit den Untersuchungen, der Beobachtung und der Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
Wissenschaftliche Quellen
- Labat JJ, Riant T, Robert R, Amarenco G, Lefaucheur JP, Rigaud J. Diagnostic criteria for pudendal neuralgia by pudendal nerve entrapment (Nantes criteria). Neurourology and Urodynamics. 2008;27(4):306–310. doi: 10.1002/nau.20505 .
- Robert R, Prat-Pradal D, Labat JJ, Bensignor M, Raoul S, Rebai R, Leborgne J. Anatomic basis of chronic perineal pain: role of the pudendal nerve. Surgical and Radiologic Anatomy. 1998;20(2):93–98. doi: 10.1007/BF01628908 .
- Pavan PG, Stecco A, Stern R, Stecco C. Painful connections: densification versus fibrosis of fascia. Current Pain and Headache Reports. 2014;18(8):441. doi: 10.1007/s11916-014-0441-4 .
- Stecco A, Pirri C, Stecco C. Fascial entrapment neuropathy. Clinical Anatomy. 2019;32(7):883–890. doi: 10.1002/ca.23388 .
Diese Quellen stützen jeweils den klinischen Rahmen der Nantes-Kriterien, die anatomischen Grundlagen des Pudendusverlaufs sowie bestimmte allgemeine Modelle zu faszialen Grenzflächen und Schmerz. Sie belegen nicht, dass ein faszialer oder funktioneller Mechanismus für sich allein jeden Fall von Pudendusneuralgie erklärt.
Das SBNFA™-Modell – insbesondere die Begriffe Triage, Anpassungsreserve und Toleranzschwelle – ist ein von Blue Portance entwickelter proprietärer Rahmen. Es ist als internes konzeptionelles Modell darzustellen und nicht als validierte medizinische Klassifikation.
Die folgenden internen Referenzen können getrennt von den wissenschaftlichen Publikationen angeführt werden:
- Blue Portance. SBNFA™-Modell – Neuroanatomie, Teil IV: strukturelle/funktionelle Triage. 2026.
- Blue Portance. SBNFA™-Modell – Neuroanatomie, Teil IV: diagnostische Odyssee und Chronifizierung. 2026.
© Gil Ayache. Die auf dieser Seite dargestellten Konzepte, Schemata, Begriffe und Prinzipien sind ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Sie werden Blue Portance im Rahmen einer Vereinbarung über die Überlassung geistigen Eigentums zur Verfügung gestellt, ohne Übertragung der Verwertungsrechte oder der Urheberschaft.
