Klinischer Begriff
Myofasziales Schmerzsyndrom
Das myofasziale Schmerzsyndrom ist ein regionaler Muskelschmerz in Verbindung mit Triggerpunkten: sehr empfindlichen Stellen in einem verspannten Muskelstrang, deren Druck den empfundenen Schmerz reproduziert, mitunter in entfernten Bereichen.
Wissenschaftliche Grundlage
Die Diagnose ist klinisch und beruht auf der Palpation. Ein internationaler Expertenkonsens verlangt mindestens zwei von drei Kriterien: einen verspannten Strang im Muskel, einen überempfindlichen Punkt in diesem Strang und einen in die Ferne übertragenen Schmerz (Fernández-de-las-Peñas und Dommerholt, 2018).
Die Entität bleibt umstritten: Die Kriterien variieren von Studie zu Studie stark, und es gibt weder einen biologischen Marker noch eine bildgebende Referenzuntersuchung (Li et al., 2020). Einige Zeichen, etwa der reproduzierte und der übertragene Schmerz, erreichen jedoch zwischen geschulten Untersuchern eine akzeptable Reliabilität (Bron et al., 2007).
Das Wort „myofaszial“ verbindet den Muskel und seine bindegewebige Hülle, bezeichnet aber ein klinisches Syndrom, keine Gewebediagnose: Es beweist nicht, dass die Faszie die Struktur ist, die den Schmerz erzeugt. Die mögliche Rolle der Hyaluronsäure der Faszien bei diesen Schmerzen ist eine Forschungshypothese (Stecco et al., 2011).
Lesart Blue Portance / SBNFA™
Das SBNFA™ bietet weder Diagnose noch Behandlung des myofaszialen Schmerzsyndroms. Es befasst sich mit den mechanischen Bedingungen, die einen regionalen Schmerz begleiten: Dauer des Verharrens in derselben Position, Lage der Auflagepunkte, Möglichkeit, die Beanspruchungen zu variieren. Die Hypothese, dass starre und wiederholte Belastungen derselben Zonen das Fortbestehen dieser Schmerzen begünstigen, gehört zur Lesart des SBNFA™ (Status: VORSCHLAG SBNFA).
Beitrag zur Analyse des Sitzens
Die Beobachtung der tolerierten Sitzdauer, der schmerzhaften Auflagezonen und der Möglichkeit, die Auflage zu wechseln, liefert eine funktionelle Information. Sie erlaubt weder, einen Triggerpunkt zu identifizieren, noch das für den Schmerz verantwortliche Gewebe.
Abzugrenzen von
Fibromyalgie, diffuser Schmerz infolge einer veränderten Schmerzverarbeitung durch das Nervensystem; fasziale Verdichtung, Forschungsbegriff, der das Bindegewebe zwischen den Schichten betrifft; muskuläre Hypertonie, erhöhter Tonus eines Muskels ohne Triggerpunkt; pelvines myofasziales Schmerzsyndrom, regionale Ausprägung, die die Muskeln des Beckens und des Beckenbodens betrifft.
Verwandte Begriffe
Quellen und Tragweite
- Fernández-de-las-Peñas und Dommerholt (2018): internationaler Konsens zu den diagnostischen Kriterien von Triggerpunkten (Pain Medicine)
- Li et al. (2020): Diagnosekriterien von Triggerpunkten in klinischen Studien, systematische Übersichtsarbeit (Clinical Journal of Pain)
- Bron et al. (2007): Interrater-Reliabilität der Palpation von Triggerpunkten (J Man Manip Ther)
- Stecco et al. (2011): die Hyaluronsäure der Faszien bei der Entstehung myofaszialer Schmerzen (Surg Radiol Anat)
anerkannte, aber umstrittene klinische Entität; diagnostische Kriterien aus einem Expertenkonsens. Dieser Eintrag ersetzt keine klinische Untersuchung.
Weiterführende Inhalte
- Vertiefung — Expertendossier: Die Faszien – Kapitel 8: Wie können Faszien am Schmerz beteiligt sein?
